6. Mai 2019

Schifffahrt

Auf hoher See: mehr High-Tech, weniger Schwefel

  • Mehrkosten durch Schwefellimit ist Top-Thema der Schifffahrt
  • Neue Chancen an der Neuen Seidenstraße und in der Arktis
  • Maritime Logistik auf der transport logistic, 4. bis 7. Juni 2019, München

Neues Schwefellimit ab 2020, Digitalisierung, Neue Seidenstraße und kürzere Transportwege durch eine künftig überwiegend eisfreie Arktis zählen zu den Top-Themen in der Schifffahrt. Dazu kommen wirtschaftliche und physikalische Grenzen beim Schiffsbau, die den Trend zu immer größeren Containerschiffen beenden.

„Ob Mehrkosten aufgrund des neuen Schwefellimits, neue Transportwege in der Arktis oder Big Data auf allen Meeren – die globale Schifffahrt findet für ihre Themen einen zentralen Ankerpunkt auf unserer MariLOG-Konferenz während der transport logistic in München“, erklärt Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München. Aktuell besonders heiß gehandelt: Vom 1. Januar 2020 an gilt in der Schifffahrt ein globales Schwefellimit von 0,5 Prozent. Mit dieser Maßnahme will die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) die Umwelt weniger belasten. Zugleich bedeutet sie erhebliche Mehrkosten und Investitionen, die die Schifffahrt alleine nicht bewältigen kann. „Die Kunden müssen einen Anteil an den Mehrkosten mittragen“, fordert deshalb Christian Denso, Kommunikationschef vom Verband Deutscher Reeder.

Bis zu 120 US-Dollar Mehrkosten pro Containereinheit
Wie hoch dieser Anteil sein wird, hängt von den tatsächlichen Brennstoffkosten ab, die derzeit jedoch kaum vorhersehbar sind. Unternehmen wie Hapag-Lloyd rechnen damit, dass die Tonne Low Sulfur-Brennstoff etwa 150 bis 250 US-Dollar kosten wird. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich dadurch die weltweiten Durchschnittspreise um 80 bis 120 US-Dollar pro TEU (Twenty-foot Equivalent Unit: Einheit zur Zählung von Standard-Seecontainern) erhöhen werden, also um rund 10 Prozent. Ob und inwieweit sich diese Mehrkosten an den Kunden durchreichen lassen, wird eines der Top-Themen während der MariLOG-Konferenz sein.

Neue Impulse von der Seidenstraße und aus der Arktis
Auch an Land ändert sich in der maritimen Logistik einiges. Verschiedene Hafen-Hubs suchen Anschluss an die Neue Seidenstraße zwischen Asien und Europa. „Hier zeichnet sich eine spannende Entwicklung ab, die der Globalisierung der Wirtschaft einen neuen Impuls geben kann“, erklärt Robert Howe, Geschäftsführer der bremenports GmbH & Co. KG. Beim Blick auf die Konkurrenz auf der Straße bleibt er entspannt: „Es wird damit gerechnet, dass 2020 rund 100.000 Container per Lkw über die neue Transportroute befördert werden könnten. Das entspricht der Ladung von fünf Containerschiffen der aktuellen Generation“, stellt Howe fest. Zum Vergleich: Allein in Bremerhaven werden derzeit jährlich rund 5,5 Millionen Container umgeschlagen.

Auch der Hafen Rotterdam blickt mit Zuversicht auf die Neue Seidenstraße: „Rotterdam ist der natürliche Anfang und die letzte Etappe der Seidenstraße“, sagt Emile Hoogsteden, Direktor Container, Breakbulk & Logistics vom Rotterdamer Hafen. Die Belt and Road Initiative komme dem Rotterdamer Hafen sehr entgegen.

Neue Chancen tun sich zudem im hohen Norden auf: „Wenn die Arktis künftig überwiegend eisfrei sein wird, ermöglich das deutlich verkürzte Transportwege für die Schifffahrt“, so Howe. Aus diesem Grund beteiligt sich bremenports beispielsweise gemeinsam mit isländischen Partnern an der Entwicklung eines neuen Hafens im Nordosten Islands.

Bei der Schiffsgröße ist der Zenit überschritten
Ein Ende des Wachstums ist hingegen bei der Schiffsgröße erreicht. „Der Zenit ist überschritten und die Experten sind sich einig, dass noch größere Schiffe wirtschaftlich keinen Sinn ergeben“, sagt Axel Mattern, Vorstand des Hafen Hamburg Marketing e.V. Zudem stoße der Stahlbau bei einem Containerschiff von 400 mal 60 Metern an seine physikalischen Grenzen. Auch haben sich zuletzt die Unfälle mit den Megafrachtern gehäuft: Zu den spektakulärsten Fällen zählte im Januar 2019 der Verlust von bis zu 270 Containern in der Nordsee durch die MSC Zoe, mit über 394 Metern Länge und einer Ladekapazität von 19.000 TEU eines der größten Containerschiffe der Welt.

Mehr Intelligenz an Bord
Neue Dimensionen werden hingegen bei der Digitalisierung erreicht. „Mit Weather Routing, automatischem Trimming oder elektronischer Stauplanung erhält immer mehr intelligente Technik Einzug an Bord und an Land“, so Christian Denso. Big Data ist ein weiteres wichtiges Schlagwort. „Heute können dutzende Sensoren in der Maschine permanent Leistung, Temperatur, Druck, Brennstoffdurchfluss und vieles mehr messen.“ Werden diese Daten von vielen Schiffen zusammengeführt und intelligent ausgewertet, können daraus nützliche Erkenntnisse entstehen. Es werden zum Beispiel Muster deutlich, etwa wenn ein bestimmtes Teil in der Maschine kaputtzugehen droht. So kann frühzeitig eingegriffen und Schäden wie Kosten vermieden werden. Oder aber die Reederei bekommt automatisiert einen Hinweis, dass ein Ersatzteil in den nächsten Hafen geordert werden muss.

Mehr attraktive Jobs an Land
Auch autonom fahrende Schiffe sind eine spannende und herausfordernde Perspektive für den globalen Seetransport. Schon heute müssen aufgrund des technologischen Fortschritts auf einem Handelsschiff nur noch halb so viele Seeleute arbeiten wie vor 30 Jahren – bei einer drastischen Verbesserung der Sicherheit und der Transportleistung. „Selbstfahrende Flotten werden mehr attraktive und verantwortungsvolle Jobs an Land für die Überwachung und Fernwartung der Schiffe schaffen“, prognostiziert Denso.

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