Neue Seidenstraße & Europa: Chance für europäische Unternehmen?


Güterhandel per Schiff

Mit dem Bau der neuen Seidenstraße zeigt China seinen Einfluss als weltweit größte Handelsmacht – auch auf Europa. Die Seidenstraße passiert neben Afrika und Asien auch europäische Länder und soll neue Handelswege schaffen. Ist sie damit Chance, Risiko oder sogar Gefahr für Europas Unternehmen?

Seidenstraße schafft neue Handelswege für Europa

Karte der neuen Seidenstraße zoom Die Route der neuen Seidenstraße passiert europäische Länder.

„One Belt, One Road“ (OBOR) heißt die Initiative zum Bau der neuen Seidenstraße. Die chinesische Regierung plant damit, die Handelsströme zwischen Asien, Europa und Afrika weiter auszubauen. Neue Handelswege per Straße, Eisenbahn und Schiff sollen entstehen. Viele europäische Unternehmen sind Chinas Vorhaben gegenüber skeptisch. Gleichzeitig eröffnen sich jedoch auch neue Absatzmärkte – und somit neue Chancen für Europa?

Investition in Europa – zu welchem Preis?

Mit dem Bau der Silk Road scheut China keine Investitionen:

  • Über 55 Milliarden US-Dollar haben chinesische Firmen zwischen 2014 und 2017 bereits in Länder entlang der Seidenstraße investiert. Das belegt die Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI).
  • Um die Projekte zu realisieren, hat China einen Fond in Höhe von 40 Milliarden Dollar gebildet.
  • Mit einem Startkapital von 100 Milliarden Dollar entstand zudem die „Asian Infrastructure Investment Bank“ (AIIB).

Damit investiert China auch in die Handelswege europäischer Länder, die entlang der Silk Road liegen. Zu den Projekten zählen beispielsweise der Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau nach Kasan. Der Ausbau der Transport- und Energieinfrastruktur soll in Zukunft noch weiter vorangetrieben werden. Außerdem wurden Dutzende bilaterale Regierungsvereinbarungen geschlossen.

Chinas Investitionen in die europäischen Handelswege werden die beteiligten Länder zurückzahlen müssen. Kann Europas Wirtschaft und die Logistikbranche trotzdem daraus profitieren?

Keine Chance für Europa? Großteil der Projekte geht an chinesische Unternehmen

Europäische und chinesische Flagge

Ausländische Firmen sollen bei der Vergabe von Projekten für den Bau der Seidenstraße bevorzugt werden. Dazu lädt die OBOR-Initiative explizit ein. In der Realität werden für die Mehrheit der Bauprojekte dennoch chinesische Firmen beauftragt. Die Zahlen aus Studien zeigen schlechte Aussichten für Europa:

Auch Andreas Breinbauer, Rektor der FH des Berufsförderungsinstituts BFI Wien und Leiter des FH-Studienganges Logistik und Transportmanagement, gibt zu bedenken:

„Die Finanzierung von Seidenstraßenprojekten erfolgt nur zu einem Teil durch multilaterale Banken wie der AIIB, in etwa zu 10 Prozent. Hier gibt es bei den Projekten eine gute Streuung der Beteiligungen. Nur ein Drittel der Projektpartner sind chinesische Firmen. Die Hauptkreditgeber sind zu etwa 90 Prozent chinesische Staats- oder staatsnahe Banken, die vorzugsweise chinesische und hier wiederum vor allem staatsnahe Unternehmen unterstützen.“

Die Chance auf Bauprojekte für europäische Unternehmen ist damit sehr gering. Das widerspricht zunächst den chinesischen Zielen der neuen Seidenstraße, Vernetzung und finanzielle Integrität zu schaffen. Gibt es trotzdem wirtschaftliche Vorteile für Europa?

Die Chancen für Europa im Ausbau von Transport- und Handelswegen

Vorbeifahrender Güterzug

Trotz der schwachen Beteiligung an Bauprojekten sehen viele Unternehmen in Europa auch Chancen in der neuen Seidenstraße. Vor allem in Österreich ist die Zuversicht groß. Laut einer Studie der FH des BFI Wien (Abteilung Logistik und Transportmanagement) glauben 90 Prozent der befragten österreichischen Unternehmen, dass die Initiative sich in den nächsten zehn Jahren positiv auf Österreich auswirken werde. Eine Umfrage der Außenhandelskammer in China ergab, dass 35 Prozent der dort ansässigen deutschen Firmen die Auswirkungen positiv einschätzen.

Mehr Nähe zum starken Handelspartner China

Der Grund für die positiven Reaktionen: China ist für viele europäische Länder einer der wichtigsten Handelspartner, nicht zuletzt aufgrund des wachsenden Onlinehandels. Viele europäische Unternehmen würden somit von einem Ausbau der Transportmöglichkeiten wirtschaftlich profitieren.

Folgende Vorteile und Chancen bieten sich für Europa durch den Bau der neuen Seidenstraße:

  • Kürzere Transportzeiten: In zwölf bis zwanzig Tagen erreichen Güter künftig ihr Ziel. Das ermöglichen die neuen Landkorridore, über die Waren hauptsächlich per Güterbahn transportiert werden.
  • Geringere Transportkosten: Per Güterzug kann die Fracht sowohl schneller als auch günstiger im Vergleich zu Seeschiffen und Flugzeugen transportiert werden.
  • Neue Absatzmärkte: Der Ausbau der Infrastruktur und die dadurch angestoßenen wirtschaftlichen Entwicklungen in den Ländern entlang der Route kann für europäische Firmen zukünftig neue Absatzmärkte erschließen oder die Geschäftstätigkeit erleichtern.

Auch Hamburg profitiert von der neuen Seidenstraße

Als Europas größter Eisenbahnhafen sieht auch der Hamburger Hafen Chancen in der „One Belt, One Road“-Initiative: „Die Neue Seidenstraße stärkt die guten Verbindungen zwischen Hamburg und dem Handelspartner China“, sagt Axel Mattern, Vorstand des Hafen Hamburg Marketing e.V.

Seine Organisation steuert eine Reihe von EU-Forschungsprojekten im Bahnhinterlandverkehr. „Schon jetzt bestehen von zahlreichen Anbietern 235 Zugverbindungen wöchentlich zwischen Hamburg und China, die weiter ausgebaut werden können.“



Weitere Informationen zur Seidenstraße finden Sie in dieser Pressemitteilung.

Die OBOR-Initiative spielt auch in unserem Konferenzprogramm eine wichtige Rolle.