Neue Seidenstraße mit steigenden Mengen und neuen Routen


Neue Seidenstraße mit steigenden Mengen und neuen Routen

Als groß angelegtes Förderprogramm der chinesischen Regierung bedeutet das Projekt „One Belt, One Road“ mehr als den Ausbau der Infrastruktur. Die neue Seidenstraße soll Kulturen und Wirtschaftsräume verbinden. Die Herausforderungen und Chancen dieser Zusammenarbeit beschäftigen zwei Foren auf der transport logistic 2019.

Obwohl China keine offiziellen Karten zur Seidenstraße herausgegeben hat, zeichnen sich in den Vorträgen des Forums „China-Europe-Blocktrain. Bringing the Silk Road alive“ drei Hauptrouten der Seidenstraße ab. Via Sibirien und Mongolei über die Nordhäfen, durch Kasachstan zu den Südhäfen und dazwischen der Mittlere Korridor mit vielen verzweigten Wegen. Das Projekt Seidenstraße, auch bekannt unter dem Namen „One Belt, one Road“, beflügelt die Wirtschaft. Bereits heute sind 80 chinesische Städte mit 50 Destinationen in Europa verbunden.

Wer miteinander Handel treibt, fängt keine Kriege an
In seinem Vortrag bringt Gennady Bessonov, Secretary General der China Communications and Transportation Association CCTT, seine 22 Jahre Erfahrung mit 23 Ländern und rund 100 beteiligten Organisationen aufs Podium. Er kennt die Herausforderungen der Seidenstraße, angefangen bei gemeinsamen Fahrplänen über die Digitalisierung von Prozessen bis zur Infrastrukturentwicklung. Für ihn verbindet dieses Projekt nicht nur Wirtschaftsräume, sondern auch Kulturen mit harmonisierten Rahmenbedingungen. Das Miteinander ist neben dem stetigen Wirtschaftswachstum vielleicht sogar der wichtigste Effekt der Neuen Seidenstraße, ganz nach dem Sprichwort „Wer miteinander Handel treibt, fängt keine Kriege an“.

Für Rückladungen geht China auf die europäische Industrie zu
Als wohl größtes Wirtschaftsförderungsprogramm seit dem Marshallplan nach dem zweiten Weltkrieg erweist sich die Seidenstraße mit ihren steigenden Gütermengen als Erfolg. Im Jahr 2018 waren zwischen Europa und China mit 350,8 Tausend Containern 34 Prozent mehr TEU als im Vorjahr unterwegs (TEU = Containereinheit „Twenty-foot Equivalent Unit“). Richtung China verzeichnet sie ein Plus von 51 Prozent und retour etwa 23 Prozent Wachstum. Das zeigt, dass die neuen Ansätze und Verbindungen greifen. So liegt die Wachstumsrate bei China Rail (CR) Express aktuell bei 112 Prozent. Mit Blick auf das Ende der Subventionen geht China für Rückladungen verstärkt und erfolgreich auf Industriebetriebe zu. Die Folge sind mehr und bessere intermodale Verbindungen und neue Routen, die den Erfolg der Seidenstraße weiter ausbauen.

Bei der Qualität gibt es noch Potenzial
Zu den Vorreitern mit neuen Angeboten zählt Dan Qi, General Manager bei Yuxinou. 2011 startete er mit dem ersten Zug. Heute fährt sein Unternehmen regelmäßig jede Woche. Seiner Erfahrung nach entwickelt sich der Markt schnell, obwohl es viele Probleme und Hindernisse gibt. Was insgesamt noch Raum für Verbesserung bietet, ist die Qualität. „Wir investieren überall“, verspricht Hairong Chen von Sinotrans, der mit der Deutschen Bahn für besseren Service kooperiert und am Ende der Verbindungen Logistikparks für effizientere Abläufe errichtet. Zur Verbesserung der Qualität stehen bei ihm vor allem Themen wie Grenzabwicklung, Arbeitskräftequalifizierung und Digitalisierung im Fokus.

Einladung Chinas an den Rest der Welt
Die Bereitschaft miteinander zu kooperieren wächst bei allen Beteiligten. Das gemeinsame Ziel sind kurze Laufzeiten, sichere Lieferungen und niedrige Frachtraten. So ist die Seidenstraße kein Hype, der bald zu Ende ist. Im Gegenteil: Das Engagement von China ist ungebrochen, das Land will bis 2035 Innovations- und Marktführer sein, heißt es beim Forum der Wochenzeitung „Verkehr“. Als thematisch offenes, zeitlich und regional unbeschränktes Programm ist die Seidenstraße aus Sicht der Teilnehmer ein sehr weit gefasstes Projekt für mehr Konnektivität und mit unglaublich hohem Potenzial. Sie verstehen die Seidenstraße als eine Art Einladung Chinas an den Rest der Welt, die sich lohnt, trotz aller Herausforderungen kultureller Art.