Neue Seidenstraße: Wie die Logistikbranche profitieren kann

Europäische Logistiker können von Chinas Megaprojekt profitieren – aber wie? Die Logistikbranche ist sich dessen noch unsicher. Doch mit der richtigen Strategie bieten sich gute Chancen für die Logistik, an der Entwicklung der OBOR-Initiative (One Belt, One Road) teilzuhaben.

LKW im Straßentunnel Die Seidenstraße schafft neue Wege für die Logistik.

Mit dem Bau der Neuen Seidenstraße belebt China alte Handelswege wieder. Waren sollen per Straße, Eisenbahn und Schiff zwischen Asien, Afrika und Europa einfacher transportiert werden können. Daraus entstehen neue wirtschaftliche Möglichkeiten, gerade für die Logistik- und Transportbranche.

Wie kann die Logistik-Industrie Europas an Chinas Initiative teilhaben?

Logistik-LKWs auf einer Straßenbrücke Die Seidenstraße schafft neue Handelswege für den Warentransport über Land.

Über die neuen Transportwege können in Zukunft weitaus mehr Waren auf den Weg geschickt werden. Die Deutsche Bahn geht davon aus, ihren Warentransport über den Landweg deutlich zu steigern. Für 2020 rechnet das Unternehmen mit 100.000 zu transportierenden Containern – 2018 waren es noch 90.000.

China plant im Zuge dessen, den steigenden Warentransport noch attraktiver zu gestalten. Aus den folgenden Vorhaben kann die europäische Logistikindustrie maßgeblich profitieren:

  • Freihandelsabkommen abschließen
  • Sonderwirtschaftszonen einrichten
  • Zollabfertigungsprozesse durchsetzen

Logistikunternehmen müssen mit der richtigen Strategie reagieren, um die Chancen zu nutzen. Logistik-Dienstleister Rhenus hat daher sein internationales Netzwerk ausgebaut. Heute bietet das Unternehmen Tür-zu-Tür-Transporte sowohl in Asien als auch in Europa an.

„Auf eine steigende Nachfrage nach alternativen Routen haben wir mit Projekten für den Straßen- und Schienentransport mit Hilfe eigener Standorte reagiert. Die Expertise vor Ort ist für den sicheren, schnellen und effizienten Transport der Waren zwingend notwendig“, so der Vorstand Tobias Bartz.

Herausforderungen für die Logistik

Die Neue Seidenstraße bietet der Logistik großes Potential. „Gleichzeitig stellt sie die Unternehmen vor große Herausforderungen – insbesondere aufgrund geografischer, kultureller und wirtschaftlicher Unterschiede. Die transport logistic bietet die Plattform, sich hierzu international auszutauschen und zu vernetzen“, erklärt Gerhard Gerritzen, Mitglied der Geschäftsführung der Messe München GmbH.

Ausländische Unternehmen haben es zudem schwer, Logistikaufträge aus dem Projekt der Neuen Seidenstraße an Land zu ziehen. Chinas beschriebenen Zielen der Neuen Seidenstraße zufolge, sollen durch den Bau zwar die finanzielle Integrität und der Zusammenhalt gesteigert werden, gleichzeitig will China dennoch seinen politischen Einfluss stärken und neue Absatzmärkte erschließen. Ob eine Investition in die Seidenstraße daher tatsächliche Chancen für europäische Unternehmen bietet, ist umstritten.

Um trotz der Herausforderungen und der mangelnden Aufträge für die Logistik profitieren zu können, sollten europäische Unternehmen daher früh geeignete Geschäftskontakte in China und auf Drittmärkten knüpfen.

Auf dem Weg zum Erfolg: Das Beispiel Pakistan

Entgegen bestehender Zweifel zeigt die Neue Seidenstraße bereits erste Erfolge. Als Paradebeispiel glänzt Pakistan, wo ein Großteil des Projekts bereits abgeschlossen ist. Das verkündet Andreas Breinbauer, Rektor der FH des Berufsförderungsinstituts (BFI) in Wien.

60 Milliarden US-Dollar wurden bis 2017 bereits in Pakistan investiert. Mit Erfolg: das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs in Folge dessen von ursprünglich 3,5 Prozent im Jahr 2013 auf ganze 6 Prozent. Klar ist aber auch, dass China hier geopolitische Interessen in der Region und insbesondere gegenüber Indien verfolgt.

Laut Breinbauer liegt das BIP-pro-Kopf-Einkommen in 70 Prozent der Seidenstraßen-Länder unter dem Durchschnitt. Um diese Länder wirtschaftlich voranzutreiben, muss zunächst eine funktionierende Infrastruktur geschaffen werden. Dabei gibt es einen hohen Investitionsbedarf zwischen China und Europa, der ohne chinesische Unterstützung nicht gedeckt werden kann.

„Durch multilaterale und vor allem chinesische Investitionen im Bereich Infrastruktur und Logistik sollten auch europäische Unternehmen davon profitieren“, so Breinbauer. Auch wenn China mit dem Projekt Seidenstraße eigene Interessen verfolgt, ergeben sich viele Vorteile für europäische Länder und die Logistik:

  • Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten
  • Vorantreiben der Industrialisierung
  • Investitionen in Krisenländer zur Stabilisierung einzelner Region („Friedensrendite“)