Künstliche Intelligenz reißt Grenzen ein


Künstliche Intelligenz reißt Grenzen ein

Die Künstliche Intelligenz ist die größte Erfindung seit der Dampfmaschine – mindestens. Jeder redet darüber, trotzdem ist sie in der Logistik und vor allem in der Luftfracht noch längst nicht angekommen. Hier Schlaglichter aus zwei Foren zum Thema auf der transport logistic 2019.

Eine Befragung des Magazins „Logistik heute“ hat es gezeigt: 90 von 100 Firmen versprechen sich von Künstlicher Intelligenz (KI) eine bessere Marktposition. Bei vielen bleibt es ein Lippenbekenntnis. Nur 26 der Befragten arbeiten aktiv an Anwendungen. Mehr als jedem Zweiten (54 Prozent) fehlt das Know-how dazu. Das beginnt schon bei der Definition. Früher haben wir dem Computer Daten gegeben und er hat mit einem vorgegebenen Algorithmus gerechnet. Heute erkennt KI den Weg vom Dateninput zum Datenoutput selbst. Auf dieser Grundlage funktioniert Robotik, Spracherkennung und als Teilbereich auch maschinelles Lernen.

Wo die größten Potenziale sind
Am meisten Potenzial sehen Unternehmen in der KI für Bedarfsprognose und Absatzplanung (62 Prozent), Produktionsoptimierung (51 Prozent) und Transportoptimierung (50 Prozent). Daten und Algorithmen ermöglichen Prognosen unter Einfluss verschiedenster Parameter. Auch kurzfristige Informationen wie aufkommende Staus, plötzlicher Wetterumschwung oder Wartezeiten beim Kunden sparen Zeit und Kosten. Die Forenteilnehmer während der transport logistic sehen Vorteile für eventbasierte und dynamische Tourenplanung. Beispiele zeigen, wie sich mit Füllständen Tanktouren organisieren lassen, wie Elektrofahrzeuge unter Einfluss von Temperatur, Topografie und Verkehr geplant werde, wie bei der Schadensprüfung an Containern Drohnen Bilder schicken oder wie die Bilderkennung dabei hilft, Gefahrguthinweise zu unterscheiden. Bereits heute können neuronale Netze 27 Symbole erkennen.

Zuerst Daten integrieren
Wichtig ist es im ersten Schritt, Anwendungsgebiete für KI überhaupt erkennen können. Lange vor dem Algorithmus geht es darum, Daten zu integrieren. Bei DB Schenker sind es aktuell 20 kleinere und größere Use Cases, teils in der Forschung. Der Fokus liegt auf dynamischen Angeboten und Preisen, auf Nachfrage und Forecast sowie auf Kapazitätsplanung und autonome Fahrzeuge. KI kann auch helfen, aus dem Buchungsverhalten abzulesen, wann ein Kunde auf dem Absprung ist oder wie Güter effizient in Container gepackt werden, eine Art 3D-Tetris.

Der Mehrwert von KI ist die selbstlernende Supply Chain
Bis heute wird telefoniert, gemailt und gefaxt. Preise werden mündlich verhandelt, statische Daten geben Orientierung. Bei der Vielzahl an Kombinationen aus Zeit, Weg und Ressourcen kann kein Mensch das mathematische Optimum herausfinden. Ziel und Mehrwert der KI ist die selbstlernende Supply Chain. Sie vermeidet, dass Produkte aus der Produktion kommen, aber keine Lkw da sind und in Folge der Kunde warten muss und Unternehmensziele verfehlt werden. Das funktioniert allerdings nur ohne Silodenken und starre Funktionsgrenzen.

Wer wird das erste Amazon der Luftfrachtindustrie?
„Artificial Intelligence: Next Level Air Cargo?“ hieß eines der Foren auf der transport logistic und zeigte das Interesse der erfolgsverwöhnten Luftfracht auf. Ihr Problem sind steigende Kundenansprüche – den Benchmark setzt der Passagierbereich mit Online-Portalen und der Ticketdienstleister Etix auf allen Endgeräten. Für die komplexe Wertschöpfungskette sehen die Diskutanten Vorteile in einer Cloud oder zumindest in Standards für Daten und Prozesse. Daran arbeiten die großen Player in der International Air Transport Association IATA. Das gewohnte Mindset ist dabei die größte Herausforderung. Noch schreckt die Branche davor zurück, ihre Daten zu teilen. Aber sie muss. „There is a killer out there“, warnt Thorsten Friedrich plakativ. Er hat das eBilling bei der Lufthansa eingeführt. Sein Blick in die Zukunft: Wer als erstes die Daten auf Amazon-Niveau kontrolliert, erschüttert die Luftfrachtindustrie.