Frau schreibt auf dem Tablet  im Gang eines Lagers

Frauen in der Logistik: Status Quo & Chancen

Die Logistik gilt bis heute als Männerdomäne. Denn die Branche hat es bisher versäumt, verstärkt weibliche Fach- und Führungskräfte zu gewinnen und zu fördern. Doch welche Gründe halten Frauen davon ab, in der Logistik zu arbeiten? Und welche Chancen könnte Diversität der Branche bieten? Das hat die Bundesvereinigung Logistik (BVL) im Auftrag der transport logistic genauer untersucht. Erfahren Sie mehr über die wichtigsten Fakten und Ergebnisse der Studie.

Eine Analyse der BVL & der transport logistic

An der Qualifikation liegt es nicht, wenn Frauen in der Logistikbranche nach wie vor schwach vertreten sind. Vielmehr ist es eine Frage der Unternehmenskultur, ob Frauen sich von logistischen Tätigkeitsfeldern angesprochen fühlen. Zudem fehlt es in der Branche immer noch an Vorbildern.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Bundesvereinigung Logistik (BVL) auf Basis einer Mitgliederbefragung und von Einzelinterviews, die sie im April 2019 im Auftrag der transport logistic durchgeführt hat. Das Ziel war es, Eindrücke aus dem Alltag von Frauen in der Logistik abseits der Debatte über Frauen in der Wirtschaft und in Führungspositionen zu sammeln.

Während der Messe, die zwischen dem 4. und 7. Juni 2019 in München stattfand, wurde das Thema in der Session „Männerdomäne?! Chancen für und mit Frauen in der Logistik“ vertieft.

Die Bundesvereinigung Logistik

Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V. wurde 1978 gegründet und ist eine gemeinnützige, neutrale und überwiegend ehrenamtliche Organisation. Sie vereint mittlerweile über 11.200 Mitglieder. Als Plattform bildet sie eine Brücke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft für Manager der Logistik in Industrie, Handel und Dienstleistung sowie für Wissenschaftler und für Studierende. Zudem ist sie Podium für den nationalen und internationalen Gedankenaustausch zwischen Führungskräften aus Logistik und Supply Chain Management.

Frau steht rückwärts im Gang eines Lagers
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Frauen in der Logistik: Der Status Quo

Bis heute unterscheiden sich die beruflichen Positionen und der zeitliche Umfang der Arbeit von Männern und Frauen branchenübergreifend immer noch deutlich. In der Führungsetage der DAX-Unternehmen sind gerade einmal 8,6 Prozent der Vorstandspositionen von Frauen besetzt.

Ähnlich sieht es mit Frauen in der Logistikbranche aus:

  • In den Bereichen Logistik, Transport und Verkehr lag der Frauenanteil 2017 bei 20,7 Prozent.
  • Klammert man den Bereich der Fahrzeugführer/-innen aus, beläuft sich der Anteil weiblicher Beschäftigter in der Branche auf 28,7 Prozent
  • Innerhalb der Top 100 der deutschen Logistikunternehmen findet sich nur bei 18,6 Prozent der Unternehmen eine Frau in der Geschäftsführung

Interessant sind auch die Tätigkeitsbereiche: Aktuell finden sich Frauen in der Logistik noch immer überwiegend in klassischen Bürojobs, etwa im Controlling, im Einkauf oder in der Personalabteilung. Dabei bietet der Wirtschaftsbereich Logistik durch sein stetiges Wachstum und die verstärkte Einbindung hochwertiger Logistikdienstleistungen in die Wertschöpfungskette von Industrie und Handel vielfältige Karrieremöglichkeiten für Männer und Frauen.

Außerdem sind Eigenschaften und Fähigkeiten, die tendenziell „weiblich“ konnotiert sind, wie Flexibilität, Serviceorientierung, gewissenhafte Zielumsetzung, Teamwork, Effizienz, Entscheidungs- und Konfliktmanagement ideal, um strategisch und federführend in Organisationen zu arbeiten. Studien belegen zudem, dass sich eine höhere Diversität positiv auf den Unternehmenserfolg auswirkt.

Nur wenige Frauen in der Logistikbranche: Die Gründe

Die BVL hat mit ihrer Studie ein Stimmungsbild über die vorherrschenden Stereotype zu Frauen in der Logistik eingeholt. Dabei bestätigte sich die Wahrnehmung, dass die Logistikbranche derzeit noch eine Männerdomäne ist.

Die Tatsache, dass in der Logistik nur wenige Führungspositionen mit Frauen besetzt sind, wird allerdings kaum hinterfragt und oft mit einer fehlenden Durchsetzungsstärke und einem vermeintlich geringeren Selbstbewusstsein der Frauen begründet. In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Logistik außerdem häufig mit körperlicher Arbeit in Verbindung gebracht, weshalb sie in den Berufswünschen von Frauen weit abgeschlagen ist.

Dazu vermuten einige, dass die Rund-um-die-Uhr-Mentalität für Frauen wenig attraktiv sein könnte. Dies wird umso deutlicher, wenn nach den Maßnahmen gefragt wird, die Unternehmen und Vorgesetzte ergreifen könnten, um die Geschlechter-Diversität zu steigern.

Dort nennen viele Meinungsgeber das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Noch wichtiger ist es jedoch offenbar, die Arbeitskultur für beide Geschlechter zu ändern, sodass Männer und Frauen in Absprache mit ihren Arbeitgebern ihre Arbeitsbedingungen entsprechend ihrer Lebensphase anpassen können.

Drei Frauen in Besprechung

Berufe in der Logistik: Vielfältige Chancen für Frauen

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt – und durch sie wandeln sich auch die Tätigkeiten in der Logistik. Körperliche Kraft ist heute im gewerblichen Bereich keine Einstellungsvoraussetzung mehr. Darüber hinaus ist die Logistikbranche offener geworden und bietet auch weiblichen Fach- und Führungskräften vielfältige Karrieremöglichkeiten.

Nahezu alle befragten Frauen sind sich darin einig, dass die Logistik ein spannendes Arbeitsfeld ist. Ihre Attraktivität kann mit einer höheren Beteiligung von Frauen weiter steigen, die die Männerdomäne:

  • um zusätzliche Empathie,
  • positives Kommunikationsverhalten und
  • große Offenheit samt Lernbereitschaft bereichern.

Denn eins haben die Meinungsgeber in den Kommentaren zum Stimmungsbild klar geäußert: Die Qualifikationen der Frauen in der Logistik sind gleichwertig mit denen der männlichen Kollegen. Der Einstieg in die Logistik fiel den Frauen fachlich nicht schwerer als männlichen Absolventen. Alle berichten von einem guten Start in das Arbeitsleben.

Möglichkeiten für Frauen in der Logistik schaffen: eine Frage der Unternehmenskultur

Schwer ist offenbar der Weg in die Logistik. Den Berufswunsch „Logistikerin“ scheint es kaum zu geben. Das ist kein Wunder, denn es fehlt an Vorbildern für weibliche Karrierewege. Die Sichtbarkeit von Frauen, die erfolgreich in der Logistik tätig sind, würde andere dazu anspornen, sich ebenso für die Branche zu interessieren, frei nach dem Motto „If she can see it, she can be it“. Zusätzlich gibt es einige Veränderungen in der Branche, die Unternehmen für Frauen zunehmend attraktiver machen.

Neue Geschäftsmodelle in der Logistik

Logistikunternehmen versuchen laut der Studie bereits, sich auf einen Wandel der Arbeitswelt einzustellen und ihre Geschäftsmodelle mit den Wünschen der Arbeitnehmer – nicht nur der Frauen – zu vereinbaren. Dazu zählen:

  • flexiblere Arbeitszeiten,
  • (Lebens-)Arbeitszeitkonten,
  • ergonomische Arbeitsplätze und
  • individuelle Teilzeitarbeit.

Zur Sichtbarkeit dessen tragen veränderte und ermutigende Stellenausschreibungen bei.

Förderprogramme & Jobs für Frauen in der Logistik

Unterstützung erfahren Frauen in der Logistik vor allem durch Netzwerke und Fördermaßnahmen wie das Förderprogramm „MentorMe“. Klassische Netzwerke wie die „Ladies in Logistics“ der BVL oder „Women in Mobility“ ermöglichen es Frauen wie auch Männern in der Branche, sich zu treffen, zu vernetzen und einander zu helfen.

Aktuell sind über 60.000 Stellen in der Logistikbranche in Deutschland unbesetzt. Sowohl für Fachkräfte als auch für Absolventen stellt die transport logistic eine hervorragende Gelegenheit dar, um Unternehmen als potenzielle neue Arbeitgeber kennenzulernen sowie Berufsbilder, Karrieremöglichkeiten und -chancen zu entdecken.

Mit dem Format JobMatching*live bietet die Messe zudem eine gezielte Matchmaking-Plattform für eine Karriere in der internationalen Logistikbranche an. Impressionen dazu sehen Sie im nachfolgenden Video:

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Aufgabe der Logistikunternehmen: Frauen aktiv & langfristig fördern

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie betonen die Aufgabe der Unternehmen, Frauen aktiv und langfristig zu fördern – auch wenn und obwohl sie häufiger familienbedingt Pausen einlegen als Männer. Dazu plädieren die Befragten, Förderung und beruflichen Aufstieg ohne Geschlechterbias und Frauenquote zu ermöglichen – denn beide Geschlechter wollen durch gute Leistung überzeugen. Die Diskussion um die Frauenquote scheint hier mehr Schaden als Nutzen zu stiften. Die befragten Frauen wünschen sich vielmehr, dass auch die Logistikunternehmen selbst die männlichen Kollegen für ein diverses Arbeitsumfeld begeistern.

Darüber hinaus ist es für die Logistik zielführend, einen Imagewandel zu erreichen und klarzustellen, dass sie – ähnlich dem Handwerk – ein entscheidender und spannender Wirtschaftszweig in Deutschland ist. Unternehmen müssen dafür selbst mehr für eine vielfältige Belegschaft und eine höhere Attraktivität als Arbeitgeber tun. Bei den Bemühungen um mehr Frauen in der Logistik sehen die Interviewten einzelne Unternehmen und die Branche in ihrer Gesamtheit in der Pflicht, die Logistik bei potenziellen Kolleginnen bekannt zu machen und aktiv für diese zu werben.

Gerade das Umdenken in der zumeist männlichen Belegschaft ist eine Aufgabe für die Unternehmenskultur. Denn: Die Beschäftigung von qualifizierten Frauen ist kein Problem, sondern eine Chance.

Noch mehr Infos?

Möchten Sie noch mehr erfahren? Hier finden Sie die begleitende Publikation zur Session „Männerdomäne!? Chancen für und mit Frauen in der Logistik“ der Messe München auf der transport logistic.

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